Die Biogasanlage von Reiner von Meer zeigt, wie der flexible Einsatz von Biogas Dunkelflauten überbrückt und die perfekte Ergänzung von Wind und Solarenergie ist.
Biogas wird kontinuierlich produziert, überwiegend aus Gülle, Mist und Reststoffen. Das Biogas wird zunächst gespeichert und erst verstromt, wenn Wind und Sonne nicht mehr liefern, also vorzugsweise morgens, abends und in der Nacht.
Ministerin Mona Neubaur war sehr beeindruckt von diesem zukunftsweisenden Einsatz von Biogas und lobte die Pionierleistung von Reiner von Meer. Sie sagt zutreffend, das große Potenzial von Bioenergie für die Versorgungssicherheit werde noch viel zu wenig erkannt und von der Bundesregierung leider bisher vernachlässigt.
Mit der begrüßenswerten NRW-Biomasseinitiative unterstützt Ministerin Mona Neubaur den flexiblen Einsatz von Bioenergie und hilft damit, Genehmigungshindernisse abzubauen.
Oft wird bezweifelt, dass die Versorgungssicherheit in Dunkelflautezeiten durch erneuerbare Energie gewährleistet werden kann. Dabei werden die Potenziale von Biogas und Batteriespeichern ignoriert. Deshalb hier eine Darstellung der wichtigsten Fakten.
1. Wieviel Dunkelflautentage bzw. Stunden treten pro Jahr durchschnittlich auf?
Laut einer Analyse der KfW-Bank fallen pro Jahr durchschnittlich 15 Dunkelflautentagen an.
Die kürzlich veröffentliche SMC- Studie geht sogar nur von 277 Dunkelflautenstunden pro Jahr, also nur rd. 12 Dunkelflautentagen pro Jahr aus.
2. Wieviel Strom wird in 15 Dunkelflautentagen pro Jahr verbraucht?
Durchschnittlich werden in Deutschland pro Tag rd 1,25 Terrawattstunden (TWh) verbraucht. Für 15 Dunkelflautentage ergibt sich damit eine Stromlücke von 15 Tage x 1,25 TWh, also 18,75 TWh pro Jahr.
3. Wieviel Strom liefert Biogas/Bioenergie pro Jahr?
Die Jahresstromproduktion aus Biogas liegt bei 36 TWh. Wenn die gesamte Bioenergie zusammengerechnet wird (auch Bioabfall, Klärgas und feste Biomasse), liegt die Jahresstromproduktion sogar bei deutlich über 40 TWh.
Die Biogasstromproduktion reicht damit rechnerisch sogar für mehr als 30 Dunkelflautentage aus!
4. Dunkelflautenüberbrückung durch Biogas
Die Lösung liegt also ganz einfach darin, Biogas nicht 24 Stunden am Tag gleichmässig zu verstromen, sondern zunächst in Gasspeichern zu speichern, und erst bei Dunkelflautenbedarf mit mehrfacher Leistung (= mit mehrfach stärkeren Biogasmotoren) zu verstromen.
5. Technologieoffenheit nötig
Also kein neues faktisches Monopol für fossiles Erdgas, wie es die Bundesregierung plant! Statt dessen im Sinne der Technologieoffenheit Öffnung der Ausschreibungen zur Kraftwerksstrategie für Biogas und Batteriespeicher!
Genau diese Technologieoffenheit fordert auch das Bundeskartellamt.
6. Biogas ist gegenüber Erdgas die kostengünstigere Lösung
Wissentschaftlich achgewiesen ist inzwischen, dass dieVersorgungssicherheit durch Biogas 2-3 – fach kostengünstiger ist als die geplanten Subventionen für neue Erdgaskraftwerke.
7. In Kombination mit Batteriespeichern für kurzfristige Schwankungen (Tag-/Nachtausgleich) kann Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energien hergestellt werden!
Der Fachverband Biogas hat zusammen mit dem Landesverband Erneuerbare Energien NRW eine Biogasanlage in Erwitte als „Biogasanlage des Monats“ ausgezeichnet.
Biogasanlagen sind eine wichtige Säule für die Versorgungssicherheit in einem regenerativen Stromsystem. Die Biogasanlage auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Gut Brockhof steht dafür exemplarisch – und wurde deshalb vom Fachverband Biogas als Anlage des Monats Februar 2026 ausgezeichnet: Sie ist fast fünffach überbaut, sprich die ursprüngliche Leistung ist verfünffacht worden.
Auf dem Erwitter Hof wird der Ökostrom nur noch stundenweise bedarfsgerecht eingespeist, wenn Sonne und Wind nicht genug liefern – dann aber mit fünffacher Leistung. Die anfallende Wärme wird für die Hähnchenställe, die Wohnhäuser und das Betriebsgebäude auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Gut Brockhof genutzt. Derzeit überlegen die Anlagenbetreiber einen weiteren Gasspeicher zu bauen, um die Anlage noch fitter für die Zukunft aufzustellen.
Sehr vorbildlich ist außerdem die Aufbereitung des Gärproduktes, durch eine Gärrestverdampfungsanlage, zu Stickstoffdünger, einem gefragten natürlichen Dünger für die Landwirtschaft. Für den Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) gratulierte Dr. Thomas Griese, der stellvertretende Vorsitzende, den Betreibern der Biogas Brockhof GmbH & Co.KG bei einem Pressegespräch vor Ort zu der Auszeichnung.
Die Biogasanlage auf Gut Brockhof ist eine Blaupause, wie künftig Biogasspeicherkraftwerke landes- und bundesweit betrieben werden müssen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lässt dagegen bei ihrer Kraftwerksstrategie die Biogastechnologie weitgehend unberücksichtigt, obwohl Biogasanlagen als Reservekraftwerke wesentlich preiswerter, klimafreundlicher und schneller realisierbar sind.
Das bestätigt ein vom LEE NRW bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics in Auftrag gegebenes Gutachten. Danach ist die für die Versorgungssicherheit notwendige Flexibilität der Erzeugungsanlagen zu großen Teilen mit dem Ausbau von dezentralen Motoren und stromgeführten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) möglich, die mit Biogas gefeuert werden. Weil diese kleinen Kraftpakete dezentral eingesetzt werden, wird das Stromnetz sogar entlastet.
Der von Katherina Reiche verfolgte Weg führt dagegen in eine neue fossile Abhängigkeit, die private und industrielle Kunden noch teuer bezahlen werden.
Frau Reiche will zur Erhöhung der Versorgungssicherheit mit Milliarden Subventionen neue Erdgaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von über 10.000 Megawatt installieren lassen.
Da muss doch die Frage beantwortet werden, woher das Erdgas oder Flüssiggas eigentlich kommen soll und ob eine kontinuierliche Erdgasbelieferung wirklich sicher ist.
Wir können uns zwar alle darüber freuen, dass sich Europa und Deutschland von den Gasimporten aus Russland unabhängig gemacht hat. Vor dem von Rußland gegen die Ukraine begonnenen Überfallkrieg kamen noch mehr als 60% der gesamten Gasimporte aus Rußland. Die fatalen Folgen dieser verheerenden Abhängigkeit haben sich nach Kriegsbeginn gezeigt, als Rußland mit dem Ziel der politischen Erpressung die Gaslieferungen aus Nordstream 1 eingestellt und eine Preisexplosion bei Gas herbeigeführt hat.
Hat Deutschland daraus gelernt? Leider nein. Erdgas ist inzwischen durch Flüssiggas ersetzt worden. Und woher kommt dieses Flüssiggas? Zu mehr als 50% aus den USA, wenn man nicht nur die Direktlieferung nach Deutschland, sondern auch die Durchlieferung über europäische Nachbarstaaten wie Niederlande und Belgien (über 40% unserer Gasversorgung) hinzurechnet.
Eine verhängnisvolle Abhängigkeit ist nur durch eine andere, nicht weniger verhängnisvolle Abhängigkeit ersetzt worden. Und kein Zweifel besteht daran, dass die gegenwärtige US-Regierung die Gaslieferung als politische Waffe einsetzen würde. Eine Unterbrechung der Gaslieferung aus den USA würde selbst bei vollen Gasspeichern nur ca. 3 Monate durchzuhalten sein (augenblicklicher Füllstand nur 22%).
Vor diesem Hintergrund ist es eine abenteuerliche Fehlplanung, zur Überbrückung von Dunkelflauten noch weitere Erdgaskraftwerke bauen zu wollen. Das ist das Gegenteil von Versorgungssicherheit.
Die Alternative liegt auf der Hand: Umbau der vorhandenen 10.000 Biogasanlagen zu flexiblen Biomassespeicherkraftwerken. Damit könnten 24.000 Megawatt gesicherte Leistung (also mehr als das Doppelte der geplanten Gaskraftwerke) installiert und alle Dunkelflautentage des Jahres überbrückt werden, und zwar
Ministerin K. Reiche will 40 neue Erdgaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20.000 Megawatt bauen lassen und subventionieren, angeblich weil nur so Zeiten der Dunkelflaute überbrückt und Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne.
Tatsächlich überflüssig:
Die Überbrückung von Dunkelflauten lässt sich sehr viel schneller und kostengünstiger durch die Flexibilisierung der vorhandenen rund 10.000 Biogasanlagen erreichen. Dafür ist keine zusätzliche Biomasse erforderlich, denn durch die Flexibilisierung wird Biogas gespeichert und nur dann mit höherer Leistung verstromt, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen.
Schon bis 2030 kann mit dieser Umstellung eine flexible Leistung von 12.000 Megawatt bereitgestellt werden, bis 2035 dann 24.000 Megawatt, und damit deutlich mehr als voraussichtlich nötig.
Erdgaslösung viel zu teuer:
Schon die von der Vorgängerregierung neu geplanten 12.000 Megawatt Gaskraftwerksleistung war weit überdimensioniert und sollte mindestens 12 Milliarden € Subventionen verschlingen. Eine Studie der Universität Nürnberg-Erlangen hat ergeben, dass die Biogaslösung um den Faktor 1,9 bis 3,7 günstiger ist als neue Erdgaskraftwerke.
Anders als von der Ampelregierung in der Kraftwerksstrategie noch vorgesehen, soll die Vorgabe entfallen, dass die Erdgaskraftwwerke später auf Wasserstoff umrüstbar sein müssen. Die Technologieoffenheit, die sonst immer gern propagiert wird, soll hier nicht gelten. Eine technologieoffene Ausschreibung, in der Biogasanlagen gegen Erdgaskraftwerke konkurrieren könnten, ist nicht vorgesehen.
Fazit
Es wird ein neues Monopol mit dauerhaftem Bestandsschutz für fossiles Erdgas geschaffen. Dazu passt, dass die Bundesregierung jetzt wenig unternimmt, um das Biomassepaket zur Flexibilisierung der Biogasanlagen, auf das sich zum Ende der letzten Wahlperiode die Ampelregierung mit der CDU/CSU Opposition geeinigt hatte, in Brüssel zur Genehmigung zu verhelfen.
Also alles zur Freude der Erdgaslobbyisten, aber nichts für eine kostengünstige innovative klimafreundliche Gewährleistungder Versorgungssicherheit.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien Sonne und Wind verläuft dank der grundlegend gesetzlichen Lage sehr erfreulich.
Zwei Probleme bleiben aber: Der Ausgleich der schwankenden Stromproduktion von Sonne und Wind und der erhöhte Strom- und Wärmebedarf in der Winterzeit.
Die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung will das Problem mit dem Neubau von Gaskraftwerken lösen, die nach ca. 10 Jahren auf Wasserstoff umgerüstet werden sollen.
Das ist der falsche Weg. Gaskraftwerke würden in der mindestens 10-jährigen Übergangszeit nach überschlägiger Berechnung mindestens 25 Millionen Tonnen CO-2 emittieren.
Durch die Flexibilisierung von vorhandenen rund 10.000 Biogasanlagen in Deutschland kann die notwendige flexible Leistung von 12.000 MW schneller, kostengünstiger und sofort klimafreundlich bereit gestellt werden.
Dazu ist allerdings eine Umgestaltung des vorhandenen Anlagenbestandes notwendig. Bisher produziert der größere Teil der Biogasanlagen noch 24 Stunden an jedem Tag im Jahr Strom, also sowohl im Sommer bei Stromüberschuss dank hoher PV-Erzeugung als auch im Winter bei Stromdefizit.
Zukünftig müssen Biomasse und Biogas saisonal gespeichert und nur in nachfragestarken Zeiten – dann aber mit mehrfach höherer Leistung – Strom und Wärme produzieren.
Dazu wird keine zusätzliche Biomasse, kein zusätzlicher Hektar Mais benötigt wird. Es geht nicht um eine Erhöhung der Biogasmenge sondern um die Konzentration der Biogasnutzung auf die nachfragestarken Zeiten.
v.l.n.r. Gottfried Liesen, Regionalsprecher Fachverband Biogas, Ingo Vosen, Vertriebsleiter der Stadtwerke Düren, Landwirt und Betreiber der Biogasanlage Echtz Jochen Reinartz, Dietmar Nietan MdB, Dr. Thomas Griese, Vorstand Landesverband Erneuerbare Energien NRW
Wie das in der Praxis funktionieren wird, zeigt das Beispiel der Biogasanlage von J. Reinartz in Düren-Echtz. Das Biogasmaterial, insbesondere Pferdemist, Rindergülle und Rindermist werden längerfristig gespeichert (gelagert). Die Leistung der Biogasmotoren wird vervierfacht. Strom und Wärme werden schwerpunktmässig im Herbst und Winter produziert. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Düren wird die Wärme für das Nahwärmenetz in Düren-Echtz genutzt werden. Die Gärreste sind wertvoller Naturdünger und ersetzen Kunstdünger.